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Integration dank Deutschkurs – „Endlich weiß ich, was 'Morsche' heißt“

Elena Preis geht in ihrem Deutschkurs auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler ein.

Als Arbeitgeber mit Beschäftigten aus 87 verschiedenen Ländern ist es APS ein besonderes Anliegen, für gegenseitiges Verständnis und gelebte Integration zu sorgen. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist es, dass alle Beschäftigten die deutsche Sprache verstehen und sprechen. 

Seit Sommer 2015 bietet APS interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an, auf freiwilliger Basis in ihrer Freizeit an Deutschkursen am Flughafen teilzunehmen.

Volkshochschullehrerin Elena Preis geht dabei auch auf deutsche Bräuche und Gewohnheiten sowie Umgangsformen ein. „Manche Teilnehmer mögen auch das Gemeinschaftsgefühl. Es ist eine Begegnungsstätte von Kollegen aus verschiedenen Bereichen des Flughafens“, erzählt sie.

Insofern trägt der Deutschkurs zur allgemeinen Betriebssicherheit bei. Laut einer internen Betriebsvereinbarung ist es das Ziel des Kurses, Mitarbeiter anderer Nationalitäten zu integrieren. Die Teilnehmer sollen lernen, im Arbeitsalltag mit Kollegen und Vorgesetzten auf Deutsch selbständig kommunizieren zu können. Zudem soll dadurch die berufliche Entfaltungsmöglichkeit des Mitarbeiters gefördert werden.

Der zweimal wöchentlich stattfindende Deutschkurs hat auch pädagogische und arbeitssicherheitsrelevante Aspekte: Dadurch, dass bei den Kursteilnehmern Hemmungen abgebaut werden, auf dem Vorfeld Gefahren oder Unfälle zu melden, können sie zu mehr Arbeits- und Betriebssicherheit beitragen.

Gabor, Mirko, Demeter und Jamal stammen ursprünglich aus Ungarn, Kroatien, Bulgarien und Marokko. Gabor geht sogar an seinen freien Tagen in den Kurs. „Frau Preis ist eine Profi-Lehrerin und die Gruppe ist gut. Ich treffe neue Kollegen und knüpfe Kontakte. Ich empfehle diesen Kurs, denn mir hilft er sehr.“ 

Mirco nimmt regelmäßig teil. „Meistens komme ich nach der Frühschicht hierher“, sagt er. „Ich will besser werden in Deutsch. Und jetzt weiß ich endlich, was dieses Morsche (hessisch für Guten Morgen, Anm. d. Red.) heißt.“ Demeter ist von Anfang an dabei gewesen. Er lacht. „Mein deutsches Lieblingswort ist Schrittgeschwindigkeit.“ Für ihn steht dieses Wort symbolisch für die Kompliziertheit der deutschen Sprache. Und auch Jamal versucht, möglichst oft teilzunehmen. „Ich erzähle meinen Kollegen vom Deutschkurs. Ich möchte am liebsten Hochdeutsch sprechen!“

Elena Preis gestaltet ihren Unterricht interaktiv und setzt auf Multimedia: Internet-, Audio- und Videoinhalte machen den Kurs sehr lebendig. Mit ihrer herzlichen, verständnisvollen Art nimmt sie den Teilnehmern oft Angst und Scham. Zudem hat sie verschiedene Projekte ins Leben gerufen. Der Wortschatz eines Gepäckabfertigers ist eines davon. „Wir haben Vokabellisten erstellt mit Begriffen, die in den Dienststellen verwendet werden. Denn nur, wenn diese Wörter verstanden und genutzt werden, können sie sich auch verfestigen.“ 

Text & Foto: Julian Borchert