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Arbeitssicherheit ist keine Einbahnstraße

Hier nur gestellt: Falsches Entladen eines Gepäckwagens kann zu schweren Verletzungen führen. (Foto: Fraport AG)

Damit das Leben und die Gesundheit von Beschäftigten geschützt sind und um Arbeitsunfälle zu vermeiden, hat der deutsche Gesetzgeber 1972 das Arbeitsschutzgesetz eingeführt. Jedes Unternehmen in Deutschland ist demnach gesetzlich verpflichtet, für das Wohl seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sorgen und sie über Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ausreichend zu informieren. Die Fraport AG und die APS GmbH kommen zu gleichen Teilen dieser gesetzlichen Pflicht nach. Schon bei der Ausbildung informieren sie die neuen Arbeitnehmer über die Risiken und besonderen Gefahren an ihrem Arbeitsplatz. 

Doch die Arbeitssicherheit ist keine Einbahnstraße. Auch der Arbeitnehmer ist gesetzlich verpflichtet, für sein eigenes Wohl und für das Wohl seiner Kolleginnen und Kollegen zu sorgen. Die Arbeitsschutzbeauftragte der APS GmbH Christina Jolas bringt es auf den Punkt: „Wir erwarten von unseren Beschäftigten umsichtiges Handeln in ihrem Arbeitsalltag und dass sie den Arbeitgeber in Sachen Arbeitssicherheit unterstützen, indem sie festgestellte Defekte oder Mängel sofort melden.“ 

Christina Jolas koordiniert zusammen mit Steffen Cremer, Fachkraft für Arbeitssicherheit der Medical Airport Service GmbH, alles rund um das Thema Arbeitsschutz: Begehungen, Sicherheitsgespräche, Sicherheitstage und das Erfassen, Melden und Analysieren von Arbeitsunfällen. „Jeder kleine Unfall kann enorme Auswirkungen und finanzielle Konsequenzen für die Betroffenen haben, die sehr weit reichen können. Das trifft meist die ganze Familie“, mahnt Christina Jolas und spricht dabei aus vielen Jahren Erfahrung. 

Wenn es zu einem Arbeitsunfall gekommen ist – egal ob eigen- oder fremdverschuldet – muss dieser sofort gemeldet und in ein Verbandbuch eingetragen werden. Das hat nicht nur versicherungstechnische, sondern auch gesundheitliche Gründe. Denn die kleinste Wunde kann sich entzünden und den Körper über eine lange Zeit außer Gefecht setzen. In solch einem Fall tritt die Unfallkasse Hessen ein und steht dem Verunglückten zur Seite. Sie übernimmt die Kosten für Reha-Maßnahmen, vereinbart Termine mit Ärzten und begleitet den erkrankten Mitarbeiter bis zur vollständigen Genesung.

Der Begriff Arbeitsunfall ist übrigens gesetzlich genau definiert: Es ist ein Ereignis, das während der Arbeit durch von außen wirkende Faktoren plötzlich und ungewollt einen körperlichen Schaden bewirkt. Die Wege zu und von der Arbeit sind ebenfalls versichert. Passiert hier etwas, spricht man vom Wegeunfall.

Die APS und Fraport tun viel, um ihre Beschäftigten im Hinblick auf Arbeitssicherheit und Arbeitsunfälle zu sensibilisieren, das heißt auf Gefahren hinzuweisen. In diesem Jahr fanden in verschiedenen Dienststellen Sicherheitsgespräche statt. Steffen Cremer und ein Fraport-Kollege halten Präsentationen und gehen dabei auf sicherheitsrelevante Themen wie die Gurtpflicht in Fahrzeugen, die Warnwesten-Tragepflicht auf dem Vorfeld, das Alkohol- und das Handyverbot ein. Sie zeigen abschreckende Filme, die die Gefahren sehr deutlich machen. „Man glaubt nicht, was alles bei einem Unfall mit nur 30 Stundenkilometern passieren kann“, warnt Steffen Cremer. „In unseren Präsentationen spiegeln sich die Gefahrenschwerpunkte der jeweiligen Abteilung wider.“ Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen bei den Sicherheitsgesprächen zu Wort, erzählen von ihren Erfahrungen und sagen ihre Meinung.

Oft entstehen dabei neue, wertvolle Erkenntnisse. Die Führungskräfte der Dienststellen arbeiten hier mit den Bodenverkehrsdiensten und der Abteilung Arbeitssicherheit von Fraport zusammen. Steffen Cremer fügt hinzu: „Mehrmals im Monat machen ein Fraport-Kollege und ich Begehungen in den Dienststellen. Wir Arbeitssicherheitsfachkräfte müssen Präsenz zeigen und mit den Mitarbeitern sprechen. Hier sind wir unmittelbar am Ort des Geschehens.“ 

Zusammen erkennen und beseitigen sie Gefahrenquellen und sprechen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich nicht an gültige Vorschriften halten, direkt an. „Ich zeige und erkläre dem Mitarbeiter, in welche Gefahr er sich begibt. Wenn ich zum Beispiel einen Kollegen mit Kopfhörern sehe, weise ich ihn darauf hin, dass das riskant ist, denn er kann nicht hören, was um ihn herum passiert. Egal, ob er fährt oder einen Gepäckwagen belädt.“ 

Nicht nur auf dem Vorfeld und in den Gepäckhallen, sondern auch in den Terminals und Büros kann es zu Arbeitsunfällen kommen. Allerdings ist hier die Zahl der Arbeitsunfälle sehr niedrig. Christina Jolas kennt die Statistiken. Sie weiß: „Meistens haben wir es hier mit Wegeunfällen oder Unfällen während eines Dienstgangs zu tun.“ 

Durch speziell ausgebildete Beschäftigte – Ersthelfer und Sicherheitsbeauftragte – sollen Arbeitsunfälle noch weiter reduziert werden. In jeder Dienststelle gibt es daher erfahrene Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, die sich zum Ersthelfer oder Sicherheitsbeauftragten haben ausbilden lassen. Sie sind seit vielen Jahren im Unternehmen und kennen die typischen Gefahrenquellen. Ein Ersthelfer berichtet: „Wenn jemand in Not ist, bin ich da und helfe. Das ist für mich ganz selbstverständlich. Manchmal gehe ich auch von mir aus auf einen Kollegen zu, wenn ich eine Gefahr erkenne und noch bevor etwas passieren kann.“ Indem ein Ersthelfer seine Kolleginnen und Kollegen sensibilisiert, trägt er einen wichtigen Teil zur Arbeitssicherheit bei.

 Jeder APS-Beschäftigte hat unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, entweder Sicherheitsbeauftragter oder Ersthelfer in seiner Dienststelle zu werden. Wichtig dabei ist, keine physischen Berührungsängste zu haben. Beide Tätigkeiten sind Ehrenämter und unterstützen den Arbeitsschutz innerhalb der jeweiligen Abteilung. Für ihre Kolleginnen und Kollegen sind Ersthelfer oder Sicherheitsbeauftragte direkte Ansprechpartner in Sachen Arbeitsschutz und Unfallverhütung am Arbeitsplatz.

Text : Julian Borchert

Steffen Cremer erklärt, wie Arbeitsunfälle gar nicht erst entstehen. Dabei lässt er immer auch die Kolleginnen und Kollegen von ihren Erfahrungen berichten. (Foto: Julian Borchert)